Erzberger Gedenkstätte

Stadt Münsingen, Stadtteil Buttenhausen

Die Erinnerungsstätte Matthias Erzberger ist ein Museum zu Ehren des Zentrumspolitikers Matthias Erzberger im Münsinger Stadtteil Buttenhausen.

Um das Gedächtnis an den 1875 in Buttenhausen geborenen Schwaben aufrecht zu halten, regte der baden-württembergische Ministerpräsident Erwin Teufel in einer Regierungserklärung an, eine Erinnerungsstätte für ihn zu errichten. Daraufhin erwarb die Stadt Münsingen das Geburtshaus Erzbergers. Mit Mitteln der Landesstiftung, der Wüstenrot-Stiftung, der Bausparkasse Wüstenrot, der Stiftung Landesbank Baden-Württemberg und des Landkreises Reutlingen konnte das Haus saniert, umgebaut und eingerichtet werden. Anschließend erhielt das Haus der Geschichte Baden-Württemberg den Auftrag, eine Ausstellung zum Leben von Matthias Erzberger zu kuratieren und zu realisieren. Schließlich erfolgte am 20. September 2004 die Eröffnung der Erinnerungsstätte durch Ministerpräsident Teufel. Das Haus der Geschichte Baden-Württemberg betreut die Ausstellung, der Geschichtsverein Münsingen übernimmt die Aufsicht und Führungen.

In elf Stationen erzählt die Ausstellung vom Leben des Politikers: Szenisch gestaltete Räume mit originalen Ausstellungsstücken, Medieninstallationen sowie Ton- und Filmdokumente machen das Leben und politische Wirken Erzbergers greifbar und erfahrbar.

Matthias Erzberger: Politische Schlüsselfigur an der Schwelle vom Deutschen Kaiserreich zur Weimarer Republik


Matthias Erzberger

Ins politische Rampenlicht der Geschichte trat Matthias Erzberger durch sein Engagement in katholischen Arbeitervereinen und der Zentrumspartei. 1903 wurde er als damals jüngster Abgeordneter für den Wahlkreis Biberach in den Reichstag gewählt. Am 11. November 1918 unterzeichnete er als Verhandlungsführer der deutschen Delegation im Auftrag der Reichsregierung im Wald von Compiègne den Waffenstillstand mit den Alliierten. 1919 in die Weimarer Nationalversammlung gewählt, brachte ihm seine Fürsprache für das "Versailler Friedensdiktat", das den Ersten Weltkrieg formal beendete, die scharfe Kritik seiner Zeitgenossen ein. Als Reichsfinanzminister schuf er 1919/20 mit seiner Steuer- und Finanzreform Strukturen, die bis heute bestehen. Während eines Erholungsaufenthaltes in Bad Griesbach wurde er am 26. August 1921 von Angehörigen der rechtsgerichteten Geheimorganisation "Consul" ermordet. Die Erinnerungsstätte widmet sich Erzbergers politischem Wirken sowie dessen Nachhall bis in die Gegenwart. Für Einzelbesucher stehen kostenfreie Audioguides in deutsch und französisch zur Verfügung.