Schloss Ehestetten

Stadt Hayingen, Ortsteil Ehestetten

Höhe: 715 Meter

Schlosshof frei zugänglich, Schloss in Privatbesitz

Beschreibung

Die Schlossanlage entwickelte sich in mehreren Bauphasen von einer mittelalterlichen Burg zum Schloss. Sie steht am unteren, östlichen Rand des Dorfes über einem steilen aber niederen Abhang. Zur polygonalen Anlage gehören der zweigeschossige Schlossbau an der Nordaußenseite, ein nicht mehr erhaltenes Ökonomiegebäude im Südwesten, eine in Teilen noch vorhandene Ringmauer mit Tor, ein großer Innenhof und die Reste der großen Bastion im Südosten, der ein Graben vorgelagert war. Der Zugang zum Schlosshof befindet sich an der Nordseite westlich des Schlossgebäudes.
Kellerfunde und die tonnengewölbten Keller weisen auf den Bau eines neuen Herrschaftssitzes ab dem Ende des 14. Jahrhunderts durch die Herren von Speth hin. 1495 wird der westliche Teil des Schlosses auf einer Grundfläche von 11,5 mal 21 Meter ausgebaut. Der östliche Anbau auf einer Grundfläche von 11,5 mal 11 Meter, der nach 1583 erfolgte, schließt im Nordosten mit einem Rundturm, den eine zylindrische Spitzhaube bedeckt, und im Südosten mit einem Runderker. Der Rundturm hat gegen Westen eine eigene Eingangstüre. An der Nordwand sind zwei Aborterker angebaut. Außen auf der Südseite befindet sich eine Sonnenuhr mit dem Wappen der Herren von Speth. Zwei Eingänge an der Südseite, einer zum ursprünglichen Schlossbau, der andere zum Anbau, führen in das Innere. Ein breiter Hausflur bietet Zugang zu den vier Zimmern mit Kreuzgrat- bzw. Tonnengewölbe im Erdgeschoss. Die Räume im 1. Stock sind mit Stuckdecken verziert. Das sogenannte Jagdzimmer weist in der Deckenkehle Jagdmotive aus Stuck im Rokokostil auf. Das Treppenhaus mit einer Holzbalkentreppe schließt mit einer Decke aus Holz.
Der Anbau mit dem runden Eckturm beherbergt im Erdgeschoss einen großen Aufenthaltsraum. Im Obergeschoss ist die Fachwerkkonstruktion der Wände sichtbar.
 Lageplan des Schlosses Ehestetten
Vom ehemaligen Ökonomiegebäude existieren nur noch Reste, die in einem landwirtschaftlichen Anwesen verbaut sind. Neubauten prägen das Bild im westlichen Schlossbereich.
Den Burgcharakter der Anlage unterstreichen die Bastion und die Umfassungsmauer. Die Bastion wurde nach 1517, nach dem Feldzug Herzog Ulrichs von Württemberg gegen Dietrich von Speth, auf einer Grundfläche von 22 mal 22 Metern erbaut.
Von der Ringmauer mit einer Stärke von 145 Zentimeter sind noch Teile im Süden und Osten bis in eine Höhe von 4,5 Meter erhalten. Bei Sanierungsarbeiten in den 1980er Jahren fanden sich Mauerreste unter einem Schutthügel.
Grundriss des Schlosses Ehestetten

Geschichte

Mit Otto von Ehestetten war im Jahr 1273 erstmals ein Adelsgeschlecht urkundlich nachweisbar, das sich nach diesem Ort benannte. Als Ministeriale der Herren von Gundelfingen traten er und seine Brüder im Raum Hayingen in Zeugenlisten auf.
Nach 1295 nannten sich Swigger (XIV.) von Gundelfingen bzw. seine Söhne nach Ehestetten (1295 Swiggerus de Ehtsistetin). 1364 veräußerte Swigger (XX.) Ehestetten mit Burg sowie weitere Güter und Eigenleute mit allen Herrschaftsrechten als württembergisches Lehen an den Ritter Heinrich Speth von Steingebronn. In der Beschreibung des Oberamts Münsingen wird nördlich der Kirche eine Ruine erwähnt, die an einen mittelalterlichen Burgturm erinnert, von der heute aber nichts mehr zu sehen ist. Um 1399 starb die gundelfingische Linie Ehestetten völlig verarmt aus.
Der Ortsadel führte in seinem Wappen zunächst eine Lilie, dann zwei, später drei Lilien.
Die Herren von Speth als württembergische Lehenleute hatten bis 1805 die Herrschaftsrechte inne. Wohl noch Ende des 14., spätestens aber zu Beginn des 15. Jahrhunderts errichteten sie im Bereich des heutigen Schlosses einen neuen Herrschaftssitz, den sie 1495 ausbauten. Im württembergischen Lagerbuch von 1536 ist ein Burgstall mit Burggraben und Scheune unten im Dorf aufgeführt. Auf einer Darstellung von 1570 wird die Anlage mit Herrenhaus, Ökonomiegebäude, Burgmauer und Zwinger, die einen großen Hof umschließt, dargestellt. Unter Wilhelm Dietrich Speth kam es zu lang andauernden Erbstreitigkeiten. Die Auseinandersetzungen eskalierten 1599/1600. Zwiefaltendorf und Ehestetten wurden zuerst von kaiserlichen, dann von württembergischen Truppen besetzt. Es kam zu Erhebungen der Untertanen gegen den Ortsherrn. Nach seinem Tod 1615 ging das Erbe an seine Söhne Hans Ulrich und Georg Dietrich. Die Herren von Speth verlegten ihren Hauptsitz nach Zwiefaltendorf. Als Lehensherr nutzte nun das Herzogtum Württemberg das Gebäude als Amtssitz des Vogts.
1885 ging der Besitz des Schlosses durch Erbe an die Freiherren von Bodman über, die hier den Sitz der freiherrlichen Forstverwaltung einrichteten. Im Jahr 1932 kam es in Privatbesitz , ein erneuter Besitzerwechsel erfolgte 1976. In den Jahren 1978 bis 1987 wurden Schloss und Befestigungsanlage denkmalpflegerisch renoviert und restauriert. Heute sind im Schloss zwei Wohnungen ausgebaut, die privat genutzt werden.

Literatur

  • Herbert Friedrich: Ehestetten. Dorf am Strand des Urmeeres, Hayingen 2013
  • Lothar Gonschor: Kulturdenkmale und Museen im Kreis Reutlingen, 1989, S. 92-94
  • Günter Schmitt: Burgenführer der Schwäbischen Alb 4. Alb Mitte-Nord, Biberach 1991, S. 292-300
  • Günter Schmitt: Kaiserberge, Adelssitze, Biberach 2014, S. 104
  • Alfons Uhrle: Zur Geschichte der Herren von Gundelfingen, in: Münsingen. Geschichte - Landschaft - Kultur, Sigmaringen 1982, S. 177-181
  • Der Landkreis Reutlingen (Kreisbeschreibungen des Landes Baden-Württemberg), Sigmaringen 1997, Bd. 1, S. 207, 772-775
  • Beschreibungen des Oberamts Münsingen, Stuttgart 1912, S. 621-625
  • Die Kunst- und Altertumsdenkmale im ehemaligen Donaukreis, Oberamt Münsingen, bearb. von Ernst Fiechter und Julius Baum, Esslingen 1926, S. 58-62



(Autor: Annette Bidlingmaier)