Schloss Lichtenstein

Gemeinde Lichtenstein, Ortsteil Honau

Geschichte

Lichtenstein ist durch seine Architektur, Lage und Entstehungsgeschichte das romantische Burg- und Märchenschloss schlechthin.
Um 1390 erfolgte der Bau der Burg Lichtenstein an der Stelle des heutigen Schlosses, nachdem die benachbarte Vorgängerburg Alt-Lichtenstein 1381 im Schwäbischen Städtekrieg zerstört und danach aufgegeben wurde. Am Ende des 14. Jahrhunderts noch als wehrhafteste Burg des Spätmittelalters angesehen, schwand ihre strategische Bedeutung mit der Zeit bis sie 1567 ihren Status als Herzogssitz verlor und schließlich als Forsthaus genutzt wurde. In der Folgezeit verfiel die Anlage nach und nach, so dass 1802 Teile der Burgruine abgetragen und ein fürstliches Forst- und Jagdschloss errichtet wurde.
Im 19. Jahrhundert entstand im Zuge der Romantik ein großes Interesse am mittelalterlichen Rittertum. In diesem Kontext veröffentlichte Wilhelm Hauff (1802-1827) 1826 seinen Roman Lichtenstein, der auf die spätmittelalterliche Burg Lichtenstein Bezug nimmt: Im Fokus des Romans steht unter anderem der geächtete Herzog Ulrich, der im Jahr 1519 vom Schwäbischen Bund aus Württemberg vertrieben wurde und zeitweise auf dem Lichtenstein und in der benachbarten Nebelhöhle Zuflucht gefunden haben soll. Von dieser Erzählung inspiriert und schon lange auf der Suche nach einer Burgruine auf der Schwäbischen Alb zum Wiederaufbau als Sommersitz, kaufte Wilhelm Graf von Württemberg (1810-1869), der sich für die mittelalterliche Geschichte und historische Bau- und Kunstdenkmäler interessierte, Lichtenstein. Das Schloss wurde schließlich zwischen 1840 und 1842 nach den Plänen Carl Alexander Heideloffs, unter der späteren Bauleitung von Johann Georg Rupp (1797-1833), nach dem Vorbild in Hauffs Roman, erbaut:

„Georg hatte indes Zeit genug, das Schloß und seine Umgebungen zu betrachten. War ihm schon in der Nacht beim ungewissen Schein des Mondes und in einer Gemütsstimmung, die ihn nicht zum aufmerksamsten Betrachter machte, die kühne Bauart dieser Burg aufgefallen, so staunte er jetzt noch mehr, als er sie vom hellen Tag beleuchtet anschaute. Wie ein kolossaler Münsterturm steigt aus einem tiefen Albthal ein schönster Felsen frei und kühn empor. Weit ab liegt alles feste Land, als hätte ihn ein Blitz von der Erde weggespalten, ein Erdbeben ihn losgetrennt oder eine Wasserflut vor uralten Zeiten das weichere Erdreich ringsum von seinen festen Steinmassen angespült. Selbst an der Seite von Südwest, wo er dem übrigen Gebirge sich nähert, klafft eine tiefe Spalte, hinlänglich weit, um auch den kühnsten Sprung einer Gemse unmöglich zu machen, doch nicht so breit, daß nicht die erfinderische Kunst des Menschen durch seine Brücke die getrennten Teile vereinigen konnte. Wie das Nest eines Vogels auf die höchsten Wipfel einer Eiche oder auf die kühnsten Zinnen eines Turms gebaut, hing das Schlößchen auf dem Felsen. Es konnte oben keinen sehr großen Raum haben, denn außer einem Turm sah man nur eine befestigte Wohnung, aber die vielen Schießscharten im unteren Teil des Gebäudes und mehrere weite Öffnungen, aus denen die Mündungen von schwerem Geschütz hervorragten, zeigten, daß es wohlverwahrt und trotz seines kleinen Raumes eine nicht zu verachtende Feste sei […].“ [Hauff, Wilhelm, Lichtenstein]

Der Schlossneubau entsprach der im 19. Jahrhundert vorherrschenden romantisierenden Meinung über mittelalterliche Ritterburgen und kann dem Architekturstil der Neugotik zugeordnet werden. Graf Wilhelm wollte damit ein patriotisches Denkmal für das Haus Württemberg schaffen. Dies äußerte sich vor allem in der reichen, qualitativ hohen neugotischen Innenausstattung mit Malereien von Georg Eberlein.
Zwischen 1997 und 1999 wurde sowohl der zweite als auch der dritte Stock des Schlosses restauriert. Heute kann das Schloss gegen Eintritt im Rahmen einer Führung besichtigt werden.

Schloss Lichtenstein von Horst Guth, Cinecopter

Beschreibung

„Einen Stockschuß weit von Holzelfingen gegen Mittag siehet man das Schloß Lichtenstein, welches nicht groß ist und auf einem Felsen liegt, so daß die unteren Zimmer in den Felsen gehauen sind. Diese Schloß ist von den andern Felsen abgesondert, auf welches eine lange Brücke geht, unter der ein sehr tiefer Graben ist und auf beiden Seiten sind Felsen, die lange Leitern zum Hinaufsteigen nötig haben. Auf dem äußersten Teil des Felsens steht das Schloß, vor sich, über der Brücke hat es Wälder, auf der andern Seite lustige Gärten, Wiesen und Äcker. […] Lichtenstein hat auch einen tiefen Trog (Zisterne) in den Felsen eingehauen, darein das Wasser von den Dächern geleitet wird. Außerhalb einen tiefen Brunnen bei der großen Scheuer, darin das Vieh ist und einen Weiher von dem Wasser, welches von den Dächern läuft. Unten an der Staig ist ein vortrefflicher Brunnen, welcher aus dem Felsen hervorquillt. Am untern Teil des Schlosses ist ein Festungswerk auf alte Art gebauet. Etwas höher ein herrlicher Pferdestall von viel Ställen und kleinere Kammern, anstatt des Kellers, alles in den Felsen gehauen. Wenn man die Stiege hinaufgeht, findet man eine weite und helle Stube mit gegossenem Boden, dergleichen Böden man auch in den andern Zimmern und Lauben sieht. Vor den Stuben oder Saal, ringsherum mit Fenstern, aus welchem man den Asperg sehen kann […]". [Schlossbeschreibung, um 1596 von Martin Crusius]

Grundriss des Schlosses Lichtenstein