Stephanuskirche

Gutsbezirk Münsingen, Gruorn

Für das Dorf Gruorn oder seiner Kirche ist keine Gründungs- und Stiftungsurkunde vorhanden. Bereits 1094 wird ein „Gozzolt de Groueren“ in einer Urkunde des Klosters Allerheiligen zu Schaffhausen erwähnt, jedoch ist nicht sicher, ob mit „Groueren“ das Gruorn auf der Albhochfläche oder das Gruol bei Haigerloch gemeint ist. Ein erster zuverlässiger Hinweis stammt aus dem Jahr 1254: Damals wird bei Verhandlungen über das Schicksal eines Grafen von Ulrich ein „Pleban“ von „Gruorin“ erwähnt. Aufgrund dieser Erwähnung geht man davon aus, dass bereits damals das Dorf Gruron mit einer Kirche bestanden haben muss. Dennoch gibt es einige Umstände, wie beispielsweise die Tatsache, dass das ursprünglich romanische Schiff im 11. Jahrhundert erbaut wurde, die das frühe Datum von 1094 wahrscheinlich machen.
1622 wurde die Kirche grundlegend umgebaut. Weitere Erneuerungen folgten im 19. Jahrhundert, bis sie zunehmend verfiel als Gruron verlassen war. Seit Anfang der siebziger Jahre wird das Gotteshaus auf Initiative ehemaliger Gruorner Bürger wieder instandgesetzt. Seitdem kommt die ehemalige Bürgerschaft jährlich zu Pfingsten in ihre alte Heimat und feiert den Gottesdienst in ihrer erneuerten Stephanuskirche.
Die bedeutenden Wandgemälde des 14. Jahrhunderts mit Darstellungen des Jüngsten Gerichts an den Schiffswänden wurden abgenommen und ins Heimatmuseum Münsingen gebracht, ebenso Teile der einstigen Ausstattung. Der Taufstein aus der Stephanuskirche, der heute in der Martinskirche in Münsingen steht, trägt die Jahreszahl 1506 und dazu das Steinmetzzeichen eines Meisters, der zur Schule des berühmten Kirchenbaumeisters Peter von Koblenz gehörte.