Kartause Güterstein 

Stadt Bad Urach

Die Kartause Güterstein war eine Kartause bei Bad Urach in der Nähe des Gütersteiner Wasserfalls. Bis zur Aufhebung des Hauses in der Reformation (1535) hatte das Kloster bedeutenden Einfluss auf den kirchlichen Reformprozess innerhalb der Grafschaft Württemberg sowie für die Ausbildung volkssprachlicher geistlicher Literatur in Südwestdeutschland.

Konrad von Urach, Kardinal und Generalabt der Zisterzienser, soll im frühen 13. Jahrhundert ein Kloster ad lapidem (= zu Stein) gestiftet haben, jedoch endete die erste Phase des Klosters bereits mit dem Ende der Stauferzeit, als sich die Grafen von Urach aus dem Ermstal zurückzogen. 150 Jahre später konnte sich unter der Obhut der Benediktinerabtei eine kleine Mönchsgemeinschaft dauerhaft etablieren und eine Blütezeit hervorrufen: Für die Zeit um 1380 ist die Existenz der Marienkapelle in Güterstein belegt, die von einer Propstei der Benediktiner betreut und offenbar zu einem viel besuchten Wallfahrtsort wurde. Zudem erfolgte die Förderung das Kloster durch seine Schirmherren, den Grafen von Württemberg, sowie den niederen Adel. Als 1439 die Zeit der Benediktiner in Güterstein aus politischen Gründen endete, überließen die Grafen Ludwig I. und Ulrich V. von Württemberg den Kartäusern das Kloster – sie erhofften sich dadurch Reformen in den Klöstern ihres Herrschaftsbereichs. Ab 1441/42 war Güterstein die Grablege der Grafen von Württemberg, die nach der Teilung des Landes gemäß dem Nürtinger Vertrag den südlichen Teil des Gebietes beherrschten und auf Schloss Urach residierten. Ihre 1554 noch erkennbaren Überreste wurden nach Tübingen in die Grablege der Stiftskirche überführt, so auch das gut erhaltene Grabmal der Erzherzogin Mechthild von der Pfalz.

Doch nicht nur die Kirchenpolitik der Landesherren machte die Kartause bekannt, sondern auch bildungspolitische „Erfolge“. So wurde in der Gütersteiner Kartause auch geistliche Literatur verfasst, die sich an Laien richtete: Aus dem Jahr 1447 stammt ein volksmedizinisches Buch, welches ein geistliches Gespräch zwischen einer Fürstin und einer Krämerin wiedergibt. Dieses nutzt das Interesse des Lesers für medizinische Themen aus, um schließlich auch geistliche Inhalte zu vermitteln. Daneben entstanden sowohl volksprachliche Heiligenleben als auch ein gedrucktes Rosenkranzgebet. 1535 setzte die Reformation dem Klosterleben in Güterstein ein jähes Ende; die Gebäude wurden größtenteils abgetragen, so dass außer dem Pfleghof der Kartause von der Klosteranlage selbst fast nichts mehr erhalten ist.