Benediktinerabtei Zwiefalten 

Gemeinde Zwiefalten

Das Kloster Zwiefalten ist eine ehemalige Benediktinerabtei in Zwiefalten und beherbergt heute eine psychiatrische Klinik. Architektur, Stuck, als auch die Malerei, geschaffen von den besten süddeutschen Künstlern der Mitte des 18. Jahrhunderts, gehen eine unvergessliche Symbiose ein.

Die Klosterstiftung fällt in das Jahr 1089 und somit in die Zeit nach dem Investiturstreit zwischen dem deutschen Kaiser Heinrich IV. und Papst Gregor VII. Die beiden Gründer, die Grafen Kuno von Wülfingen im Thurgau (+1092) und Liutold von Achalm (+1098), waren päpstliche Parteigänger und schufen sich in Zwiefalten eine standesgemäße Rückzugs- und Begräbnisstätte. Noch bevor der Gründungskonvent, bestehend aus 12 Mönche und 5 Laienbrüdern, am 29. September 1089 in Zwiefalten einzog, verzichteten die Stifter und deren Erben gemäß dem Hirsauer Diplom auf alle Rechte aus der Stiftung. Durch diesen sogenannten Bempflinger Vertrag, genoss das Benediktinerkloster von Anfang an dieselbe Rechtsstellung wie das Mutterkloster Hirsau, das Recht auf Absetzung des Vogtes eingeschlossen.

Von 1095 bis 1139 erlebte das Kloster eine erste Blütezeit und entwickelte sich zu einem kulturellen und religiösen Zentrum der Region. Neben vielen Schenkungen, der Erwerb von Reliquien wie die Stephanus-Hand zeugen eine große Zahl von illuminierten Handschriften des Skriptoriums sowie die Tätigkeit der Mönche im Skriptorium des Klosters der Hildegard von Bingen auf dem Rupertsberg als auch Briefe und ein Besuch der großen Äbtissin in Zwiefalten von der Hochphase des Klosters. 

Reformation und Bauernkriege lösten besonders im Südwesten Deutschlands starke Unruhen und Verwüstungen aus; das Kloster selbst wurde 1525 geplündert. Bemerkenswert ist, dass Zwiefalten die Ausbreitung des neuen Glaubens auf sein Territorium verhindern konnte. Jedoch kam es in der Folgezeit immer wieder zu Reibereien mit dem jetzt protestantischen Württemberg. 1750 gelang es der Abtei sich von allen Verpflichtungen gegenüber den Württembergern freizukaufen und die Reichsunmittelbarkeit zu erwerben. Somit wurde sie Reichsabtei, wodurch die Zwiefalter Äbte ab diesem Zeitpunkt reichsfreie Landesherren waren.

Das Kloster wurde im Rahmen der Säkularisation als einer der ersten bereits am 25. November 1802 aufgelöst. Der Besitz fiel an das 1806 zum Königreich erhobene Württemberg. Ab 1812 wurden die ehemaligen Abteigebäude als „königliche Landesirrenanstalt“ genutzt, später als psychiatrisches Landeskrankenhaus. Das heutige „Zentrum für Psychiatrie – Münsterklinik Zwiefalten“ wird seit 2003 durch das Württembergische Psychiatriemuseum ergänzt.