Rösslesberg

Stadt Reutlingen, Stadtbezirk Gönningen

Höhe: 716 Meter

In einer Gabelung des Wiesaztales mit dem Talzug der sogenannten Ramstel erhebt sich die steilwandig aufragende Kuppe des Rösslesberges gut 100 m hoch über das Tal. Gegen den von Süden heranführenden Geländerücken ist das Plateau mit einer Hangbefestigung gesichert. Parkmöglichkeiten bestehen im Bereich des Gönninger Sees, der durch Tuffsteinabbau entstanden ist. Auf den Berg führen nur unausgeschilderte Fußwege.

Geschichte

Die zahlreich aufgefundene vorgeschichtliche Keramik belegt ein wiederholtes Aufsuchen des Berges zumindest in der Bronze- und Latènezeit. Die flachen Mulden an der nördlichen Hangschulter könnten nach Vergleichen andernorts sowie den hier geborgenen Keramikscherben durchaus mit Holzgebäuden besetzte Siedlungsstellen (Podien) aus vorgeschichtlicher Zeit darstellen.
Anzahl und Qualität der Funde aus hochmittelalterlicher Zeit sprechen für eine größere Bedeutung des Platzes im späteren 10. und 11. Jahrhundert, so dass mit einer frühen Adelsburg gerechnet werden darf. Die recht gute Erhaltung der Wälle und Gräben wie auch die aufwendig gestaltete Zufahrt legen eine mittelalterliche Entstehung dieser Befestigungen nahe.
 
Das durch Gräber wie auch die Namensendung als frühmittelalterliche Gründung ausgewiesene Dorf Gönningen wurde um die Mitte des 13. Jahrhunderts durch die Edelfreien von Stöffeln zur Stadt ausgebaut. Der damalige Burgsitz lag sicherlich auf dem unmittelbar über dem Dorf gelegenen Stöffelberg. Im späten 11. Jahrhundert sind Edelfreie von Gönningen mit Verbindungen zur überregional bedeutenden Gründersippe des Klosters St. Georgen im Schwarzwald bekannt, im gleichen Raum und zu gleicher Zeit treten auch erstmals die Herren von Stöffeln auf. Ob es sich beim Rösslesberg um eine Vorgängeranlage der Stöffelburg handelt, muss offen bleiben.

Beschreibung

Das abgerundet-dreieckige Plateau (Innenfläche) des Rösslesberges ist im Südosten durch eine Randbefestigung gesichert. Den steilen Südhang zieht ein stark verfallener Altweg zur Mitte des Plateaus herauf und führt durch einen torartigen Einlass in die gesicherte Innenfläche. Der südwestliche Hang zeigt zum anschließenden Bergsattel hin stufenartige Böschungen und wurde auf diese Weise offenbar gegen Ersteigen und Befahren gesichert. Gegen Osten bleibt ein über 100 m langer und recht schmaler, flach abfallender Geländerücken außerhalb der gesicherten Innenfläche, er zeigt aber ebenfalls Abstufungen.

Literatur

  • Jörg Biel: Vorgeschichtliche Höhensiedlungen in Südwürttemberg-Hohenzollern (Forschungen und Berichte Vor- und Frühgeschichte Baden-Württemberg 24), Stuttgart 1987, S. 251-252
  • Jürgen Meyer: Archäologische Geheimnisse. Rätselhafte Entdeckungen zwischen Neckar und Alb, Reutlingen 2002, S. 105-107
  • Christoph Bizer: Oberflächenfunde von Burgen der Schwäbischen Alb (Forschungen und Bericht der Archäologie des Mittelalters in Baden-Württemberg 26), Stuttgart 2006, S. 135-137
  • Christoph Morrisey, Dieter Müller: Wallanlagen im Regierungsbezirk Tübingen (Atlas archäologischer Geländedenkmäler Baden-Württemberg 2: vor- und frühgeschichtliche Befestigungen 26), Stuttgart 2011, S. 299-306
(Autor: Stadtarchiv Reutlingen)