Alte Burg ("Käpfle")

Stadt Reutlingen

Höhe: 593 Meter

Frei Zugänglich: Es bestehen gut markierte Wander- und Radwege aus allen Richtungen. Das Käpfle mit seinem Aussichtsturm liegt am Hauptwanderweg 5 des Schwäbischen Albvereins.

Zufahrt mit PKW: Von Reutlingen her über die L 383 Richtung Gönningen; Parkmöglichkeiten bei der Gutsgaststätte Alteburg und auf dem Wanderparkplatz an der K 6728 (Abzweigung nach Bronnweiler).
Zufahrt mit Bus: Linie Nr. 5 nach Gönningen, Haltestellen "Hofgut Alteburg" oder "Käpfle".

Geschichte

Der älteste Hinweis für eine früh- oder hochmittelalterliche Burganlage auf dem sogenannten "Käpfle" ergibt sich aus dem Ortsnamen "Alteburg". Dieser bezieht sich heute auf das unterhalb des Berges gelegene Hofgut. Erstmals genannt wird "Altenburk" in einem Kaufbrief von 1315, mit dem sich die Johanniterkommende Hemmendorf von ihren Bronnweiler Besitzungen trennte. In späteren Urkunden von 1393 und 1474 ist in diesem Zusammenhang explizit ein alter "Burgstall" genannt. 1437 verkaufte Werner Hurnbog unter anderem das "gu(o)t, daz man nemmet [nennt] die alten burg" an die Stadt Reutlingen. In der um 1630 niedergeschriebenen Reim- beziehungsweise Stadtchronik von Johannes Fizion wird auf die "alte Burg [...] uff dem Berg" und deren im Zuge einer zeitgenössischen Schatzsuche ergrabenes "Gemeir" eingegangen. Fizions Verweis auf die historische Zerstörung der Anlage deutet auf den Städtekrieg 1376/1388. Nachdem die Oberamtsbeschreibung von 1824 festgehalten hatte, dass von der Burg "keine Spur mehr übrig" geblieben sei, gelang dem Reutlinger Baurat Johann Georg Grupp 1857 und 1858 die Aufdeckung und Restaurierung von "Ruinen", die ihrerseits aber wieder rasch verfielen. Der Reutlinger Verschönerungsverein errichtete 1902 ein "Aussichtsgerüst" auf dem Berg, das bis 1917 bestand. 1974 wurde schließlich der heutige Aussichtsturm aufgerichtet. Ob es sich bei den mittelalterlichen Burgherren um einen Zweig der Stöffler gehandelt hatte, lässt sich nur vermuten.

Beschreibung

Vom Burggebäude sind keine eindeutigen Überreste erhalten. Untersuchungen, inwieweit die Oberflächenform der Bergkuppe, insbesondere die im Südwesten derselben verlaufende Gräben, sowie Mauer- und Mörtelreste auf die mittelalterliche Burganlage zurückgehen oder neuzeitlichen Grabungen und „Restaurierungen“ geschuldet sind, liegen nicht vor.
Lageplan der Alten Burg

Sagen, Erzählungen

Die Reimchronik von Johannes Fizion (um 1630) berichtet von „Edelleitt“ auf der „Alte Burg“, die an Sonntagen in roten  Mänteln in die Kirche nach Gomaringen gingen, an Werktagen vormittags Landarbeit verrichtet, nachmittags aber als Raubritter ihr Unwesen getrieben haben sollen. Die 1852 publizierte Sagensammlung von Ernst Meier nennt einen bei der „Alten Burg“ umgehenden Schimmelreiter, der wegen eines zu Lebzeiten mit der rechten Hand begangenen Mordes sein Pferd mit der linken Hand führen muss. In Verbindung mit dem Motiv des sagenhaften Schwertes der Herren von Stöffeln  werden diese Handlungselemente auch in jüngeren Publikationen kolportiert.

Literatur

  • Beschreibung des Oberamts Reutlingen, Stuttgart 1893, Zweiter Teil, S. 173
  • Gottfried Maier: Die Alteburg bei Reutlingen, eine alte Ringburg, in: Blätter des Schwäbischen Albvereins 1909, Sp. 103 ff.
  • Ernst Meier: Deutsche Sagen, Sitten und Gebräuche aus Schwaben, Stuttgart 1852, S. 105
  • Christoph Morrisey, Dieter Müller: Vor- und frühgeschichtliche Befestigungen 26 (hrsg. vom Regierungspräsidium Stuttgart/ Landesamt für Denkmalpflege): Wallanlagen im Regierungsbezirk Tübingen, Stuttgart 2011, S. 358
  • Günter Schmitt: Burgenführer Schwäbische Alb, Bd. 4. Alb Mitte-Nord, Biberach 1991, S. 359-362
(Autor: Stadtarchiv Reutlingen)