Maisenburg

Stadt Hayingen, Ortsteil Indelhausen

Höhe: circa 620 Meter

Anfahrt von Hayingen über Indelhausen nach Anhausen, südlich weiter bis zum Wanderparkplatz. Von dort Fußweg zur Maisenburg.
Die Burgruine ist frei zugänglich.

Beschreibung

Die Burg, eine Schildmauerburg, mit einer Fläche von circa 35 Meter mal 15 Meter liegt auf einem Felssporn am Ende eines Plateaus hoch über dem Lautertal. Ein Halsgraben trennt die Spornspitze mit der rechteckigen Kernburg von der Vorburg. Im Westen steht heute noch eindrucksvoll die Schildmauer mit Mauerwerk aus Buckelsteinquadern an der Außenseite und Stirnseite. Mit einer Breite von 3,8 Metern erstreckt sie sich über die gesamte Spornbreite. Auffallend sind die teils unterschiedlichen Höhen der Steine innerhalb einer Reihe.
Ein Ringmauer, die an die Schildmauer anschloss, umgab die ganze Burgfläche. An der Spornspitze über den Felsen erheben sich die Reste eines Wohnturms oder Palas, eines einst mächtigen Steinhauses. Innerhalb der Anlage standen außerdem zwei kleinere Gebäude, von denen noch ein tonnengewölbter Keller erhalten ist. Beide Gebäude dienten wohl als Wohnungen für das Gesinde und als Vorratsräume. Der Hof war relativ klein.
Im 14. oder 15. Jahrhundert erhielt die Burg eine weitere schmale Mauer nach Süden unterhalb der Kernburg. Zwischen diesen beiden Mauern entstand ein sogenannter Zwinger, dessen Reste noch vorhanden sind.
Der weitere Ausbau erfolgte gegen Westen mit der sogenannten Vorburg. Nach der Beschreibung des Oberamts Münsingen von 1912 befand sich am nordwestlichen Rand des Burggrabens ein Ziehbrunnen mit Wappen der Familie Speth-Schülzburg, der heute verschüttet ist.
Im Westen ist die Vorburg  von Indelhausen her durch ein Tor, das das Wappen der Familie Speth zu Schülzburg trägt, zu erreichen. Die Gebäude stammen aus dem 18. bis 20. Jahrhundert. Das große Ökonomiegebäude, ein ehemaliger Kuhstall, liegt nördlich des Eingangs und schließt nördlich mit der ehemaligen Umfassungsmauer, die bis zum Halsgraben reicht.
2008 bis 2009 erfolgte der Ausbau zu einem Fest- und Veranstaltungsraum. Mit einem Treppenaufgang ist der ehemalige Heustock erschlossen. Der Saal ist bis zur Firstpfette geöffnet. Südlich befindet sich das zweigeschossige, ehemalige Pächterhaus. Nach dem Umbau von 2004 bis 2005 beherbergt es heute drei große Ferienwohnungen. Die ursprüngliche Gebäudestruktur mit Fachwerk wurde erhalten. Unter einer eingeschossigen Holzremise im östlichen Teil des Hofes befindet sich ein noch tonnengewölbter Keller.
Lageplan der Maisenburg

Geschichte

Um 1100 wurde mit Witegau der Ältere von Maisenburg in der Zwiefalter Chronik erstmals ein Adelsgeschlecht erwähnt, dem die Burg als Namensgeber diente. Wer die Erbauer der Burg waren, ist ungeklärt. Sie wurde wohl im 11. Jahrhundert errichtet.
Ausdrücklich erwähnt wird die Burg  im Jahr 1268 als „castrum quod dicitur Maisenburg“.
Zu Beginn des 14. Jahrhunderts befand sie sich nachweislich im Besitz von Berthold (III.) von Gundelfingen, der sich auch von Maisenburg nannte. 1368 gab Berthold (IX.) zusammen mit seiner Frau Anna von Hoppingen die Maisenburg mit den Besitzungen in Indelhausen und Sonderbuch wegen Schulden auf. Nach 1379 gelangte die Familie von Baustetten durch Erwerb oder Erbe in den Besitz der Maisenburg. 1538 verkaufte Weigand von Baustetten sie an seinen Schwiegervater Christoph und dessen Sohn Stoffel Jörg Reichlin zu Meldegg. 1733 erwarb Baron Kronthal die Maisenburg, die 1741 in den Besitz der Familie Osterberg gelangte. 1759 kaufte die Familie von Speth zu Schülzburg die Burg, der sie bis 1820 als Wohnsitz diente. Danach verfiel die Burg.
Die Vorburg war als Wirtschaftshof für die Versorgung der Burg zuständig. Nach 1820 entwickelte sie sich zu einem landwirtschaftlichen Hofgut.
Durch die 1990 bis 1992 erfolgte Sanierung der Burganlage unter Beteiligung des Landkreises Reutlingen, des Landesdenkmalamts Baden-Württemberg und der Eigentümerin wurden Teile der Schildmauer und des Zwingers gesichert. 2003 wechselte der Besitzer des Hofguts Maisenburg. Nach umfangreichen Sanierungs- und Umbaumaßnahmen wird das Anwesen nun als Veranstaltungs- und Feriendomizil genutzt.

Literatur

  • Bernhard Bischof: Die Maisenburg, in: Indelhausen. Bildnis einer Lautertalgemeinde 1974, S. 70-75
  • Christoph Bizer/ Wilhelm Gradmann: Burgen und Schlösser der Schwäbischen Alb, Leinfelden-Echterdingen 1994, S. 68-69
  • Lothar Gonschor: Kulturdenkmale und Museen im Kreis Reutlingen, Stuttgart 1989, S. 95-96
  • Wilfried Pfefferkorn: Burgen der Münsinger Alb, in: Münsingen 1982, S. 202-203
  • Günter Schmitt: Burgenführer Schwäbische Alb 2, Biberach 1989, S. 217-224
  • Günter Schmitt: Kaiserberge, Adelssitze, Biberach 2014, S. 104-105
  • Stefan Uhl: Buckelquader an Burgen der Schwäbischen Alb, in: Zeitschrift für Hohenzollerische Geschichte, Bd. 26 (1990)  S. 26-107, S. 86
  • Der Landkreis Reutlingen (Kreisbeschreibungen des Landes Baden-Württemberg), Sigmaringen 1997, Bd. 1, S. 206, S. 798-801
  • Beschreibung des Oberamts Münsingen, Stuttgart 1912, S. 707-709
  • Die Kunst- und Altertumsdenkmale im ehemaligen Donaukreis, Oberamt Münsingen, bearb. von Ernst Fiechter und Julius Baum, Esslingen 1926, S. 102
(Autor: Annette Bidlingmaier)