Residenzschloss Urach

Stadt Bad Urach

Am Rande der Schwäbischen Alb, inmitten der idyllischen Fachwerkstadt Bad Urach, liegt das spätmittelalterliche Residenzschloss Urach.

Geschichte

Die Grafen von Urach errichteten im 11. Jahrhundert auf einer von der Erms umschlossenen Halbinsel eine Wasserburg, die später „Altes Schloss“ oder „Wasserschlösschen“ genannt wurde. Sie diente vermutlich dem Grafen von Urach als Stadtsitz. Militärisch hatte sie die Aufgabe, das Tal zu überwachen und gegebenenfalls zu sperren. Einige wenige Bilder geben nur einen undeutlichen Eindruck von ihrem Aussehen, jedoch sind Grundrisspläne aus dem 18. Jahrhundert erhalten: Durch den massiven Unterbau und den Aufbau mit sichtbarem Fachwerk wirkt das Gebäude sehr gewaltig und wenig gegliedert. Im 14. Jahrhundert fand dort die Hochzeit Graf Eberhards III. und seiner italienischen Braut Antonia Visconti statt. Jedoch sollten die späteren Besitzer von Urach, die Grafen von Württemberg, die Wasserburg nur noch selten nutzen, so dass sie schließlich Ende des 18. Jahrhunderts abgerissen wurde.
Wahrscheinlich als Erweiterung der alten Wasserburg ließ Graf Eberhard III. im Jahr 1400 das heutige Residenzschloss nach Vorbild des Alten Schlosses in Stuttgart errichten. Finanziert wurde der Bau möglicherweise mit der italienischen Mitgift der Antonia Visconti. Das für seine Entstehungszeit äußerst stattliche Gebäude besitzt zwei steinerne Geschosse und ein Fachwerkgeschoss, das die Wohnräume beherbergte. Bei der Landesteilung 1442 wählte Ludwig I. von Württemberg Urach zu seiner Residenzstadt und zog in das Uracher Schloss ein.
Der Sohn Ludwigs I., Graf Eberhard im Bart, baute 1474 anlässlich seiner Hochzeit mit Barbara Gonzaga von Mantua das Residenzschloss weiter aus und modernisierte dieses. Die Hofstube, Dürnitz genannt, wurde zum Speiseraum für die gesamte Hofgesellschaft umgebaut und mit einem aufwändigen vierschiffigen Gewölbe versehen. Im ersten Obergeschoss erhielt der Saal eine monumentale Ausmalung mit den Ahnenwappen und der Devise des Schlossherrn: „Attempto“ - Ich wag’s. Mit diesem stolzen und monumentalen Ahnennachweis präsentierte Eberhard im Bart jedem Gast seines Schlosses die enge Verwandtschaft des Hauses Württemberg mit den Fürstenhäusern Europas. Diese Ahnenprobe ist die älteste, noch heute erhaltene heraldische Ahnenprobe im weltlichen Bereich nördlich der Alpen.
Nach der Wiedervereinigung der Grafschaft Württemberg 1482 verlegte Graf Eberhard im Bart die württembergische Residenz wieder nach Stuttgart. Urach verlor somit seine Bedeutung als Regierungssitz. Das Schloss wurde in der Folge nur noch als Jagdschloss, Rückzugsort der Herzoglichen Familie, Ausweichquartier oder für Festlichkeiten genutzt. Die nachfolgenden württembergischen Herzöge veränderten den Bau nach ihrem Geschmack. So erhielt beispielsweise der Goldene Saal am Anfang des 17. Jahrhunderts eine prächtige Ausstattung, die bis heute erhalten ist.
Bis in die Zeit von König Wilhelm I. wurde Urach immer wieder als Sommerschloss genutzt. So kam beispielsweise Königin Pauline (1800-1873) während ihrer Schwangerschaften gerne nach Urach, da es ihr in Stuttgart zu warm war. Erst 1819 versteigerte man das Mobiliar und die Räume des ehemaligen Residenzschlosses wurden als Pfarrwohnung und Pferdestall genutzt.
In den 1960er Jahren erfolgte nach damaligen konservatorischen Grundsätzen eine umfassende und tiefgehende Sanierung des Uracher Schlosses. Dabei wurden viele Bauteile im Inneren durch moderne Stahl- und Betonkonstruktionen ersetzt und wertvolle Bausubstanz ohne Dokumentation entsorgt. Seit 1982 dient das Schloss als Zweigmuseum des Württembergischen Landesmuseums und als Ort für gelegentliche Konzertveranstaltungen und Empfänge.
Grundriss des Schlosses Urach

Beschreibung

„Die dritte Merkwürdigkeit Urachs ist das herrschaftliche Schloß an einer Ecke der Stadt gegen Mittag gelegen, und von Graf Ludwig von Würtemberg, der das alte abbrechen ließ, im J. 1443 erbaut. „Es ist herrlicher, als man es von außen dafür ansieht, sagt Crusius. Denn von innen ist es wie eine königliche Burg; auf der einen Seite ist es mit einem Fischweiher umgeben, auf der anderen mit einem See, in welchen die Erms lauft, in der allerlei Fische, insonderheit Forellen zu finden sin.“ - Auch jetzt verdient das halbhölzerne Gebäude noch immer einen Besuch. Seine Wände sind mit üppigen Epheuranken bedeckt. Im freistehenden Portal, über dem Eingang, ist Herzog Eberhards I. Zederbaum (sein Abzeichen) mit seinem Sinnspruch attempro (ich wag‘ es!) und der Jahreszahl 1474 gemalt. Zur Seite ist die Wohnung des Hausschneiders, der gegen ein kleines Trinkgeld (24 kr.) den Wandrer durch Vorzimmer und Treppen, zuerst nach dem ersten Stockwerk, in einen großen Saal mit steinernem Boden führt, wo Herzog Ulrichs Brautbettstelle steht, eine braune, eichene, mit Schnitzwerk schön verzierte Lade mit Betthimmel, und der Inschrift: omnia dat dominus, non habet ergo minus (alles gibt der Herr, und doch hat er darum nicht minder). Wer wird an dieser Stelle nicht mit dankbarer Andacht an Herzog Christoph, Ulrichs ersten und einzigen Sohn, diese große Gottesgabe denken? Im Hintergrund der Lade find das würtembergische und bairische Wappen angebracht; denn Sabina, Ulrichs bald verstorbene Gemahlin, war eine Prinzessin von Baiern. Auf diesen Saal folgen links einige wohleingerichtete Zimmer, Absteigequartiere des Königes, nebst einem Speisessal. Das obere Stockwerk ist ganz alt. Schöne eichene Thüren, mit vergoldetem Schnitzwerk und Wappen in erhabner Arbeit, führen zu dem Rittersaal. In der Hausflur steht das sehr schön in Lebensgröße gearbeitete Schnitzbild des wahnsinnigen Grafen Heinrich, nach Art der alten Grabsteine geformt, auch mit den bei solchen Denkmalen üblichen Umschriften versehen, aber alles aus Holz. Ferner die Tafel von einem 1624 abgehaltenen fürstlichen Vogelschießen, mit Namensverzeichnis. - Den halben Boden des obern Stockwerks nimmt der höchst geräumige Rittersaal ein, dessen 3 Seiten mit Fenster an Fenster, ohne Pfeiler, laternenartig versehen sind. An der vierten fensterlosen Seite ist vielfach der Lederbaum Eberhards, und darunter sein attempto, mit jetzt halb verblichenen Farben, anstatt der Tapeten, gemahlt; ebenderselbe verjüngt an den Lambris aller 4 Seiten. In einer Ecke steht die kolossale hölzerne Abbildung des großen Schweines, das Herzog Ulrich im J. 1507 auf dem Roßfeld bei Urach geschossen […]. In der Mitte des Saales steht ein Tisch mit einer Marmorplatte, auf welchem als Merkwürdigkeit eine Kugel aufbewahrt wird, die (vielleicht in den schmalkaldischen Unruhen) von der Festung herab in den Saal des Schlosses abgeschossen worden. In der anden Hälfte dieses Stockwerks, die der Hausflur vom Saale trennt, ist noch eine Reihe von Zimmern mit alten Tapeten, an die erloschne Pracht der vorigen Jahrhunderte mahnend. Die Fenster blicken auf den grünen Anger, der vormals der fürstliche Thiergarten war. - Im J. 1474 war hier die Hochzeit Graf Eberhards im Bart mit Barbara, Herzog Ludwigs von Mantua Tochter, gefeiert. 14000 Personen wurden gespeist, der Wein lief aus einem Brunnen in die Becher.“1

1 Gustav Schwab, Die Neckarseite der Schwäbischen Alb, mit Andeutungen über die Donauseite, eingestreuten Romanzen und andern Zugaben, Stuttgart 1823, S.112-114.