Burg Hohenurach

Stadt Bad Urach

Die Ruine ist eine ehemalige Gipfelburg auf 692 Meter und liegt etwa 250 Meter oberhalb des Ermstals und der Stadt Bad Urach und gilt heute als ein beliebtes Ausflugsziel. Hohenurach gehörte zu den frühen Höhenburgen des 11. Jahrhunderts und im 16./17. Jahrhundert mit dem Hohenneuffen, Hohentwiel und Hohenasperg zu den wichtigsten, strategischen Stützen des Landes.

Geschichte

Die Entstehung der Burg wird in das 11. Jahrhundert datiert. Bauherren waren die Grafen von Urach, die aus dem ostfränkischen Raum in der Nähe von Würzburg stammten. Um 1050 ließen die Brüder Egino (+ um 1050) und Rudolf die Burg Achalm bei Reutlingen errichten. Rudolf von Achalm und seine Erben gründeten dort die Linie der Grafen von Achalm, während die Erben Eginos I. von Dettingen im oberen Ermstal bei Bad Urach eine weitere Burg erbauen ließen. Ob es sich dabei um die Wasserburg Urach oder die Höhenburg Urach handelte, ist bis heute nicht sicher. Erstmals urkundlich erwähnt wird die Burg Hohenurach im Jahr 1235. In diesem Jahr diente die Burg den Grafen von Urach bei ihrer Unterstützung des aufständischen Königs Heinrich (VII.) als Rückhalt. Vier Jahre später erfolgte die Verpfändung an die Grafen von Württemberg. Diese ließen die Adelsburg ab der Mitte des 14. Jahrhunderts stark verfallen.
1428 fand schließlich ein grundlegender Umbau und eine Erweiterung der Burg unter Ludwig I. von Württemberg statt. Nach der Teilung Württembergs durch den Nürtinger Vertrag am 25. Januar 1442 baute er Urach zur Residenz seines Landesteils aus. 40 Jahre später, nach der Wiedervereinigung von Württemberg-Urach mit Württemberg-Stuttgart durch den Münsinger Vertrag vom 14. Dezember 1482, verlegte der Sohn Ludwigs, Eberhard im Bart, die Residenz der vereinigten Württemberger wieder nach Stuttgart. Von dort aus ließ er seinen angeblich geisteskranken Vetter Heinrich von Württemberg (1448-1519) verhaften. Dieser lebte, von der Außenwelt abgeschirmt, von 1490 bis zu seinem Tod im Jahr 1519 mit seiner Familie auf Hohenurach.
Die Grundmauern und Verteidigungsmaßnahmen, deren Reste wir heute noch sehen, stammen jedoch größtenteils von Baumaßnahmen, die später von Herzog Ulrich und seinem Sohn Christoph durchgeführt wurden. Nachdem Herzog Ulrich 1534 sein Land zurückerobern konnte, erfolgte von 1535 bis 1556 der Ausbau Hohenurachs als eine von sieben Landesfestungen. In der Zeit des Schmalkaldischen Krieges wurde die Besatzung 1547 von den kaiserlichen Herren zur Übergabe der Festung gezwungen, worauf Hohenurach im Anschluss stark zerstört wurde. Herzog Christoph stellte sich ganz in die Tradition seines Vaters und ließ die Burg von 1550 bis 1556 wiederaufbauen.
Ab dem 16. Jahrhundert diente die Burganlage auch als Staatsgefängnis: Inhaftiert waren dort unter anderem der Philologe und Dichter Nicodemus Frischlin (1547-1590) sowie der Jurist und württembergische Geheimrat Matthäus Enzlin (1556-1613).
Während des Dreißigjährigen Kriegs wurde Hohenurach 1634/35 belagert. Nach der Schlacht bei Nördlingen überfielen die kaiserlichen und bayerischen Truppen Württemberg und somit auch Hohenurach. Die Festung hielt dem Angriff lange stand, doch schlussendlich musste die völlig ausgehungerte Besatzung am 24. Juli 1635 die Festung an den bayerischen Hauptmann Johann Schabinger übergeben. Die Uracher Bürger stellten nun den Antrag, „die Festung zu sprengen und mit Feuer zu ruinieren“, da die Burg in ihren Augen ein ständiger Unruheherd war. Doch anstatt des Abbruchs erfolgte von 1663 bis 1669 durch Eberhard eine grundlegende Instandsetzung und sogar eine Erweiterung der Burganlage.
Im Jahr 1761 gab man die Festung schließlich auf. Die Burg hatte ihre militärische Bedeutung verloren und wurde auch nicht mehr als Gefängnis benötigt. Herzog Carl Eugen ließ Teile der Burg daraufhin für den Neubau seines Jagdschlosses Grafeneck abbrechen. Die Abbrucharbeiten gingen schnell voran: Dachziegel und anderes Baumaterial wurden umgehend nach Grafeneck gebracht. Alles „Eisen-Werk“, beispielsweise eiserne Türen, Tore und Gitter, Öfen, Kessel und Kanonen, kaufte der Besitzer des Uracher Eisenhammers, der Kommerzienrat Friedrich Rheinwald auf. Er ließ es in seinem Betrieb einschmelzen und zu Schmiedeeisen verarbeiten. Nach dem Ende der offiziellen Abbrucharbeiten 1815 brachen jahrhundertelang Uracher unberechtigt noch brauchbare Steine aus den Festungsmauern heraus und durchwühlten den Abbruchschutt nach behauenen Steinen.
Zwischen 1860 und 1870 ließ der Leiter des Uracher Forstamts, Philipp Freiherr von Hügel, die nahezu unzugängliche Festungsruine so herrichten, dass sie von Touristen gefahrlos besucht werden konnte.

Burgruine Hohen Urach von Horst Guth, Cinecopter

Beschreibung

Die Festung Hohenurach ist aus einer mittelalterlichen Burg entstanden: Zwischen dem 11. und 17. Jahrhundert erfolgten immer wieder Umbaumaßnahmen und Erweiterungen. Vier Hauptbauphasen können unterschieden werden.
Von der ersten mittelalterlichen Burg (11. bis 13. Jahrhundert) aus der romanischen Epoche sind nur wenige Anhaltspunkte vorhanden. Reste dieser Burg lassen sich heute noch in der Umfassungsmauer der Kernanlage erkennen. Vom 14. bis 15. Jahrhundert erfolgte im Rahmen der Verpfändung an die Württemberger die grundlegende Erneuerung der Anlage. Dabei wurden wesentliche Teile des Vorgängerbaus abgebrochen. Das sogenannte „Heimliche Gewölbe“ und ein repräsentativer Schlossbau mit Saal auf bestehenden Gewölben wurden neu erbaut. Ausschlaggebend war der Umbau der Burg zur Festung im 16. Jahrhundert. In dieser größeren Umgestaltungsphase, die vor allem der Sicherung der Burg diente, entstand sowohl die äußere Umfassungsmauer mit fünf Türmen als auch der Aufbau eines gewaltigen, befestigten Erdwalls vor der Burganlage. Die Kernanlage wurde völlig umfunktioniert und
Garnisons-, Waffen- und Vorratsbauten entstanden. Von 1663 bis 1669 erfolgte zur Sicherung der Festung an der Süd- und Ostseite der Ausbau der Zugangssituation durch zusätzliche Tore.

Lageplan des Hohenurach