Samenhandelsmuseum

Gönningen (Reutlingen)

Reutlingen-Gönningen war im 19. Jahrhundert ein Zentrum des Samenhandels. Jeder zweite Einwohner des Ortes verdiente sein Geld, indem er mit diesen Waren hausieren ging.

1850 besaßen 1200 von ihnen einen Reisepass, darunter 400 Frauen. Im Herbst, nach der Ernte, machten sie sich auf den Weg – nach Russland, auf den Balkan, in die Schweiz, nach Skandinavien und sogar nach Amerika. Viele von ihnen kehrten nicht zurück. Aber die, die es schafften, brachten Wohlstand und Selbstbewusstsein in den Ort. Als der Hausierhandel verboten wurde, schickten sie eine Delegation nach Berlin und erkämpften eine Ausnahmegenehmigung. Auf dem Friedhof blühten im 19. Jahrhundert unzählige Tulpensorten - die Gönninger konnten sich das leisten, und sie machten so Reklame für ihre Zwiebeln. Heute wird diese Tradition wieder gepflegt, ein Besuch im Frühjahr lohnt sich, überall im Ort blühen Tulpen! Und im Rathaus von Gönningen gibt es ein kleines Museum, in dem man eine rekonstruierte Samenhändlerpackstube besichtigen kann.

Die Ausstellung behandelt mit Gegenständen, Dokumenten und Zeugnissen die Samenhändlertradition des Ortes und belegt dabei Handelsreisen aus dem kleinen Ort in Württemberg innerhalb und außerhalb von Europa.

Die Ausstellung lässt sich auch im Rahmen einer Führung besichtigen, die von ehrenamtlichen Mitarbeitern geleitet wird.

Das Samenhandelsmuseum ist eine Außenstelle des Reutlinger Heimatmuseums.