Burg Stahleck

Gemeinde Lichtenstein, Ortsteil Unterhausen

Höhe: 711 Meter

Stahleck liegt auf einem Felsvorsprung zwischen zwei Quellschluchten über dem hintersten Teil des Zellertals, circa 3,2 Kilometer nordöstlich von Unterhausen. Von der Burganlage zeugt nur noch ein 20 m x 20 m großes Plateau mit einem flach eingeebneten Graben, welcher die Burgstelle von der Albhochfläche trennt. Am Rand des Burggrabens sind kleine, wallartige Aufschüttungen zu sehen.
Die Burgstelle ist frei zugänglich.

Beschreibung


Günter Schmitt beschreibt Burg Stahleck in seinem Burgenführer Band 4 als „kleine Anlage auf steiler, felsiger Talecke [...] zur Sicherung des alten Albaufstiegs [...]. Das verebnete Gelände der Kernburg bildet etwa ein spitzes Dreieck mit 23 Meter Seitenlänge auf der Nordseite und 26 Meter auf der Südwestseite. Der abgewinkelte Graben zur Hochfläche ist 25 Meter lang und noch bis 2,5 Meter tief. In der wallartigen Aufschüttung hinter dem Graben stecken noch Reste von Kernmauerwerk der Umfassungsmauer. Als Wirtschaftshof diente der heute noch bestehende „Stahlecker Hof“.“
Lageplan der Burg Stahleck

Geschichte

Der Name „Stahleck“ leitet sich wohl ab von stal = statio als Versammlungsort für Gerichtsverhandlungen, Jagden und dergleichen (OA RT 1893, S.223).
Schon in der Oberamtsbeschreibung heißt es „Von den Herren der Burg hat die Geschichte uns wenig aufbewahrt.“ (OA RT 1893, S. 223)
Anhand von Oberflächenfunden des Burgenforschers Christoph Bizer kann der Bau von Burg Stahleck (genannt Stacheneck) indessen auf die Zeit zwischen 1200 und 1250 genauer eingeschränkt werden. Stahleck lag zwar auf dem Gebiet der Edelfreien von Greifenstein, allerdings lassen sich keine verwandtschaftlichen Beziehungen zwischen beiden Geschlechtern nachweisen. Dafür spricht auch die Tatsache, dass die Greifensteiner Burgen im Städtekrieg 1311 von den Reutlingern zerstört wurden, während Stahleck hingegen verschont blieb, was ebenfalls anhand von Keramikfunden aus dem Hangschutt der Burgstelle belegt werden konnte.
Um die Mitte des 14. Jahrhunderts wurde Stahleck wohl aufgegeben. „Der nahe gelegene Hof Stahleck entstand erst im 19. Jahrhundert“. (Bizer, KB RT, 1997 I)

Adelsfamilien

Zur Ersterwähnung Stahlecks gibt es derzeit zwei Thesen. In weitläufigen Literaturangaben wird Burg Stahleck erstmals mit dem als Zeugen genannten Ritter Konrad von „Stahelekke“ in einer Urkunde vom 26. 04. 1254 der Grafen Ulrich von Württemberg und Heinrich von Fürstenberg erwähnt. Für diese These sprechen die Herkunftsangaben der voran genannten Zeugen wie zum Beispiel Siboto von Hundersingen, Bertold von Genkingen, Bertold von Sperberseck und so weiter. Wie allerdings der Fußnote 4 im Württembergischen Urkundenbuch Band V Nr. 1295, Seite 60-62 zu entnehmen ist, stammt besagter Ritter Konrad doch nicht von Unterhausen, sondern vom Hofgut STALLEGG im Kreis Breisgau-Hochschwarzwald. Somit kann also die Herkunft Ritter Konrads von Stahleck und somit Stahlecks Ersterwähnung mit dem Jahr 1254 nicht ohne weiteres als gesichert angesehen werden.
Die nächste urkundliche Niederschrift führt Burg Stahleck indirekt 1304 mit einer Angehörigen der Familie von Stahleck als Nonne im nahe gelegenen Kloster Offenhausen an.  Bizer, (HAStAS A 511 Urk. 27)
In den Reutlinger Geschichtsblättern von 1902 verweist Theodor Schön auf eine Urkunde des Hauptstaatsarchivs Stuttgart vom 16. 04. 1322, in welcher ein Dietrich von Staheleck zusammen mit Ulrich dem Zimmermann von Reutlingen als Zeuge genannt wird (HStAS, Abt. Denckendorff). Dies ist die letzte schriftliche Angabe des Stahlecker Geschlechts.

Sagen und Geschichten

Die Sage vom bösen (Raub)Ritter von Greifenstein ordnet Burg Stahleck dessen Besitz zu. Allerdings soll Stahleck zu Lebzeiten des Greifensteiners schon sehr „alt und baufällig“ gewesen sein, so dass die Burg nicht mehr zu verkaufen war. Aus Geldmangel führte der Ritter von da an ein Räuberleben, zog plündernd durch die Gegend und nahm so manchen Reutlinger Händler gefangen, um Lösegeld zu erpressen.
1311 verhängte Kaiser Heinrich VII. über den verhassten Ritter von Greifenstein als Verbündeten des „widerspenstigen“ Grafen Eberhards I. von Württemberg ebenfalls die Reichsacht. So wurde unter anderem die Reichsstadt Reutlingen beauftragt, den Besitz des Greifensteiners zu konfiszieren. Die Reutlinger rächten sich dergestalt an dem Ritter, indem sie des Nachts seine Burgen Stahleck und Greifenstein in Brand steckten und zerstörten. Der Greifensteiner selbst fand indessen sein qualvolles Ende in einem mit spitzen Nägeln beschlagenen Fass, welches erst durch Holzelfingen rollte und letztendlich am Burgstein mitsamt dem darin eingepferchten Ritter über den Felsen in die Tiefe zerschellte.

Literatur

  • Christoph Bizer: Oberflächenfunde von Burgen der Schwäbischen Alb - Ein Beitrag zur Keramik- und Burgenforschung, Stuttgart 2006
  • Helmut Hecht, Burgenbau-Boom auf der Schwäbischen Alb, in: "Blätter des Schwäbischen Albvereins", 4/2012
  • Wilhelm Rommel: Das Pfullinger Heimatbuch, Reutlingen 1956
  • Karl Rommel: "Sagen vom Greifenstein", in: Reutlinger Heimatbuch - Bilder, Sagen und Geschichten aus Stadt und Amt, Reutlingen 1948
  • Günter Schmitt: Burgenführer Schwäbische Alb Bd. 4. Alb Mitte-Nord, Biberach 1991
  • Günter Schmitt: Kaiserberge, Adelssitze - Die Burgen, Schlösser, Festungen und Ruinen der Schwäbischen Alb, Biberach 2014
  • Theodor Schön: Die v[on] Stahleck, in: Reutlinger Geschichtsblätter; Nr. 1/1902
  • Elfriede Vöhringer: 1089-1989 - 900 Jahre Unterhausen, Lichtenstein 1989
  • Julius Wais: Albführer - Wanderungen durch die Schwäbische Alb nebst Hegau und Randen, Stuttgart 1903
  • Landesarchivdirektion Baden-Württemberg (Hrsg.): Das Land Baden-Württemberg - Amtliche Beschreibung nach Kreisen und Gemeinden, Band VII: Regierungsbezirk Tübingen, Stuttgart 1978
  • Landesarchivdirektion Baden-Württemberg, Württembergisches Urkundenbuch Online Band 5, Nr. 1295, Stand: 18. April 2013
  • Landesarchivdirektion Baden-Württemberg und Landkreis Reutlingen (Hrsg.): Kreisbeschreibungen des Landes Baden-Württemberg - Der Landkreis Reutlingen, Bd. 1, Sigmaringen 1997
  • Schwäbischer Albverein e.V. Stuttgart (Hrsg.): Das große Wanderbuch der Schwäbischen Alb: 120 Wanderungen zwischen Küssaburg und Ries, Stuttgart 2005
  • Statistisches Landesamt Württemberg (Hrsg.): Beschreibung des Oberamts Reutlingen, Stuttgart 1824 und 1893
  • Statistisches Landesamt Württemberg (Hrsg.): Das Königreich Württemberg - Eine Beschreibung nach Kreisen, Oberämtern und Gemeinden, Bd. 2: Schwarzwaldkreis, Stuttgart 1905

(Autor: Bianca Röschl-Olhorn)