Burg Reichenau

Ehemaliger Truppenübungsplatz Münsingen (Gutsbezirk)

Höhe: 821 Meter

Auf der felsigen Kuppe eines langgezogenen Höhenrückens am Westrand des ehemaligen Truppenübungsplatzes liegt die Burg Reichenau. In der 1912 neu erschienenen Oberamtsbeschreibung heißt es, „die Anlage macht den Eindruck einer Holzburg, wozu man besonders auch die Felsabarbeitungen für Holzwände im nördlichen Teil rechnen möchte“. Im aufgrund latenter Munitionsbelastung für die Öffentlichkeit gesperrten Gelände ist die Reichenau nicht zugänglich.

Beschreibung

Der vor allem nach Westen weite Sicht bietende Burgplatz besteht aus einem etwa 60 Meter langen und bis zu 30 Meter breiten Burghügel ovalen Grundrisses, der allseits von einem 2 bis 3 Meter breiten Sohlgraben mit Außenwall umgeben ist. Der Sohlgraben wurde im Fels abgeschrotet, von Plateau bis zur Grabensohle sind es um 5 Meter Höhenunterschied, nach außen ist der Graben um 2 bis 3 Meter tief.
Gegen den nochmals flach ansteigenden Rücken im Süden folgt ein zweiter Graben mit flachem Außenwall. Auf der Westseite des Burghügels ist eine rund 4 Meter tiefe Grube im Fels mit senkrechten Wänden vorhanden, die aufgrund vereinzelt noch festgestellter Randsteine als Zisterne angesehen wird. An der Westseite des Plateaus über dem Graben liegt direkt neben der Steingrube eine podienartige Verebnung, die vielleicht als Standort eines Gebäudes gedient hat.
Lageplan Burg Reichenau

Geschichte

Das Uracher Lagerbuch des Jahres 1454 nennt einen „burgstall richenowe“, historische Nachrichten zu Burgengründern und –bewohnern fehlen jedoch. Nach Ausweis der von Christoph Bizer geborgenen Funde dürfte die Burg um die Mitte des 12. Jahrhunderts gegründet worden sein und blieb um 150 Jahre lang in Nutzung. Burgengründer sollen die Edelfreien von Gruorn gewesen sein. Die Reichenau gehört der Lage, der Größe wie auch einiger Baudetails zufolge allem Anschein nach zu den bedeutenderen Burgengründungen des 12. Jahrhunderts.


Burganalge Reichenau im Gebiet des ehemaligen Truppenübungsplatzes Münsingen (Fotograf: Christoph Morrisey)

Literatur

  • Christoph Biter/ Rudolf Götz/ Wolfram Kies: Vergessene Burgen, in: R. Bütterlin/ V. Götz (Red.), Münsingen. Geschichte - Landschaft - Kultur. Festschrift zum Jubiläum des Münsinger Landeseinigungsvertrages von 1482, Sigmaringen 1982, S. 238-250
  • Christoph Bizer, Rolf Götz: Vergessene Burgen der Schwäbischen Alb, Stuttgart 1989, S. 34-36
  • Jürgen Meyer: Rätselhafte Spuren auf der Alb, Reutlingen 2007, S. 136-166
  • Günter Schmitt: Burgenführer Schwäbische Alb 4. Alb Mitte-Nord, Biberach 1991, S. 236-266
(Autor: Christoph Morrisey)