Burg Hohenwittlingen

Stadt Bad Urach, Stadtteil Wittlingen

Hohenwittlingen gehört mit Hohenurach zu den frühen Höhenburgen der Umgebung und zu den Schutzburgen an der wichtigen Reichsstraße durch das Ermstal. Bis heute haben sich der Halsgraben, Gebäudefundamente und die eindrucksvolle, über vier Meter dicke Schildmauer erhalten. Der höchste Punkt der Burg ist eine Aussichtskanzel, von der man einen wunderbaren Blick ins Ermstal hat.

Geschichte

Wittlingen gelangte aus dem Besitz der Grafen von Achalm-Urach durch Heirat an die Grafen von Lechsgemünd: Mechthild, die Schwester der Grafen Kuno und Liutold von Achalm heiratete Graf Kuno von Lechsgemünd. Vermutlich der Sohn Burkhard (+1112) wird 1089 und 1100 von Wittlingen genannt, ob damit das Dorf oder eine Burg gemeint war ist fraglich. Jedoch ist durch Keramikfunde aus dem 12. Jahrhundert eine frühe Entstehung der Burg belegt. Im Jahr 1248 kaufte der Bischof von Konstanz den Ort Wittlingen und die Burg Hohenwittlingen. Bereits drei Jahre später übergab der Bischof Ort und Burg als Lehen an den Grafen Ulrich I., genannt der mit dem Daumen. Damit ist Hohenwittlingen die erste Burg der Württemberger im Ermstal. Das Haus Württemberg erschloss sich so in Verbindung mit der Burg Hohenurach (1264) und dem Ort Seeburg (1311) das verkehrsgeographische und strategisch wichtige Ermstal.
Nachdem die Burg im Reichskrieg 1311 der Belagerung Stand hielt, galt sie ab diesem Zeitpunkt als eine der Hauptburgen des Grafen Eberhards I. von Württemberg und als militärischer Stützpunkt. Bis ins 15. Jahrhundert war die Burg Hohenwittlingen im Eigenbesitz der Grafen von Württemberg. Noch im 16. Jahrhundert saß ein Burgvogt auf Hohenwittlingen, der gleichzeitig die Funktion eines Forstknechts innehatte. Im Jahr 1548 war die Burg Zufluchtsort für den württembergischen Reformator Johannes Brenz (1499-1570), der auf der Flucht vor den Soldaten Karls V. war.
Trotz eines verheerenden Brandes im Jahr 1576, dessen schweren Schäden wurden nur teilweise beseitigt wurden, erhielt die Burg gegen Ende des Dreißigjährigen Krieges (1618-1648) eine drei Mann starke Garnison, um den Zugang ins Ermstal von der Albhochfläche kontrollieren zu können. 1705 wurde in der Nähe der Burg ein Forsthaus erbaut, worauf Hohenwittlingen als Forstsitz für einen bewaffneten Forstknecht diente. Des Weiteren wurde die Burg später auch als Gefängnis für Wilderer und andere Verbrecher genutzt. Ab 1700 verfiel die Anlage schlussendlich zunehmend.
Im Zuge der Reformen König Wilhelms I. kaufte der Bauer Johann Brändle aus Würtingen 1828 für 2210 Gulden die damals staatliche Domäne. Von diesem erwarb schließlich der Pfarrer August Weinland zu Beginn seines Ruhestandes das Hofgut. 1857 ging der Besitz schließlich an dessen Sohn David Friedrich Weinland über, dem Autor des berühmten Jugendbuchs Rulaman, der 1864 das „Herrenhaus“ erbaute. Auch noch heute befindet sich das Hofgut Wittlingen im Besitz der Familie Weinland.

Grundriss der Burg Hohenwittlingen

Beschreibung

„Diese am wildesten Waldeck vom verschlungnen Gestrüpp überwachsenen Trümmer lassen sich rund umwandeln, und zeugen noch von der Felsenfestigkeit des alten Schlosses; unterirdische Wendeltreppen sollen in tiefe Gewölbe führen. Ursprünglich war es konstanzisch; in der Folge kam es (1251) an Würtemberg, und von diesem an die Grafen von Urach durch Tausch, bald aber fiel es wieder an das erste Haus. Schon zu Crusius Zeiten war es nichts mehr als „ein grausames Gefängnis in das Wilderer und andre Bösewichter gelegt wurden.“ Die Volkssage fabelt von den Baldeckern und Wittlingern, daß sie duch Zauberei in der Luft hätten zusammen fahren können; eine andere Tradition sagt, daß sie unterirdische Communication gehabt haben. Der Blick von dem Schlosse ins Thal auf die geschlängelte Erms, auf Hohenurach, Neufen und Teck ist herrlich. Auf Hohenwittlingen hielt sich der würtemb. Reformator Brenz eine Zeit lang vor seinen Feinden verborgen, arbeitet an seinem Asyl, auf dem Schlosse zu Hornberg, vollendete. Noch lange nachher war Wittlingen von einem Burgvogt oder Förster bewohnt, bis endlich diesem am Anfange des vorigen Jahrhunderts hinter den Burggräben eine neue Wohnung gebaut ward.“[1]

[1] Gustav Schwab, Die Neckarseite der Schwäbischen Alb, mit Andeutungen über die Donauseite, eingestreuten Romanzen und andern Zugaben, Stuttgart 1823, S.117-118.