Burg Greifenstein

Gemeinde Lichtenstein, Ortsteil Unterhausen

Höhe Obergreifenstein 760 Meter

Die Ruine ist frei zugänglich, wobei das steile Gelände rund um den Untergreifenstein eine gute Trittsicherheit erfordert

Geschichte

Im Jahr 1101, wird mit Bertold, etwas später, im Jahr 1123 mit „Merebot de Grifinstein“ zwei Vertreter des edelfreien Geschlechts genannt. In einer Urkunde aus dem Jahr 1187, in der Herzog Friederich von Schwaben dem Kloster Bebenhausen Nutzungsrechte im Schönbuch einräumt, taucht mit dem Zeugen „Bertholdus de Grifenstain“ erneut ein Angehöriger der Adelsfamilie auf. Leitnamen der Familie sind - neben Berthold - Albert, Rumpold und Kuno.
 
Für die besondere Stellung, die das edelfreie Adelsgeschlecht inmitten verschiedener Dynastien behaupten konnte, spricht nach Schön etwa, dass Albrecht 1331 württembergischer Landrichter war. Außerdem war Rumpold 1294 Schultheiß in Reutlingen. Ein weiterer Rumpold vermittelte im Jahr 1316 als Schiedsrichter bei Streitigkeiten zwischen den Grafen von Veringen und dem Kloster Zwiefalten.
 
Woher Adelsgeschlecht und Burg den Namen „Greifenstein“ haben, bleibt in der Literatur etwas diffus. Die Kreisbeschreibung Reutlingen aus dem Jahr 1997 stellt fest, dass die Burg Greifenstein dem Adelsgeschlecht seinen Namen gab. Caspart geht vom Gegenteil aus und meint, dass der Name des Erbauers und ersten Bewohners der Burg „Grifo“ lautete - und der Burg so den Namen gab. So hieß zum Beispiel auch der 751 verstorbene Sohn von Karl Martell bzw. Bruder von König Pippin. Schön hingegen hat im Urkundenmaterial keine Belege dafür gefunden, dass sich das Geschlecht jemals „Gryff“ oder „Grifo“ geschrieben habe. Caspart schließt auch einen Zusammenhang mit dem mythischen Vogel Greif aus. Eine Urkunde aus dem Jahr 1283 belegt hingegen, dass die Familie im Wappen einen auf drei Felsenspitzen rechts schreitenden Vogel Greif führte. Endgültige Gewissheit kann es in dieser Frage vermutlich nicht geben.   
 
Es ist anzunehmen, dass die Familie um ihre Burg über eine kleine Herrschaft mit Gütern und Leuten in Unter- und Oberhausen, Holzelfingen und Ohnastetten verfügte. Teile des Besitzes waren an Lehensleute verliehen. Die Greifensteiner standen den Württembergern nahe, weshalb im Reichskrieg 1311 auch ihre Burg Greifenstein zerstört wurde. Der letzte Nachweis über die Familie stammt aus dem Jahr 1355, als Schwigger von Greiffenstein die  Überreste der zerstörten Burg und die verbliebenen Güter an die Grafen von Württemberg verkaufte. Danach dürfte die Linie erloschen sein. Schön äußert die Vermutung, dass das Erlöschen der Linie im Zusammenhang damit stehen könnte, dass viele Familienmitglieder als Geistliche dienten. Mit Rumpold war einer ihrer Vertreter bis 1356 sogar Abt von Blaubeuren.        

Beschreibung

Die Burganlage Greifenstein besteht aus zwei Teilen, dem Obergreifenstein und dem etwa 400 Meter entfernt liegenden Untergreifenstein.
Der Obergreifenstein verfügt über einen in Resten erhaltenen Vorgraben und den markanten, hufeisenförmigen Spitzgraben, der die Kernburg mit ihrer Ringmauer umgibt. Eine neue Holzbrücke führt von der Nordseite durch das Tor in den Burghof. Sobald man diesen betritt, liegt auf der linken Seite ein abgetrennter, ummauerter Raum, wo einst ein Turm gestanden haben könnte. Die Mauerreste der Burg sind 1893 und im 20. Jahrhundert sichtbar aufgemauert und verstärkt worden.
Lageplan der Burg Obergreifenstein     
Bizer hat 450 Keramikstücke ausgewertet, die auf dem Obergreifenstein gefunden wurden. Außerdem untersuchte er 16 Metallstücke, darunter viele Nägel, zwei Bolzenspitzen und Reste von Hufeisen. Durch die Keramikfunde kommt er zum Ergebnis, dass die Burg im zweiten Viertel des 13. Jahrhunderts entstanden ist. Außerdem konnte er glasierte Keramik feststellen, die an sonstigen Burgen der Alb erst Ende des 14. Jahrhunderts nachweisbar ist.
Beim Untergreifenstein ist der markante Burgfels zu erkennen, ansonsten fällt dem Besucher die Vorstellung über die einstigen Ausmaße der Burg schwer, weil es kaum sichtbare Mauerreste gibt. 238 Fundstücke hat Bizer untersucht, darunter sechs Eisenstücke. Bei den Eisenstücken handelt es sich unter anderem um eine Geschossspitze des 12./13. Jahrhunderts. Bizer geht auf Grund seiner Untersuchungen davon aus, dass die Kernburg auf dem Fels aus zwei Gebäuden und einem nicht überbauten Teil dazwischen bestand. Anhand der Keramikfunde datiert er die Entstehungszeit der Burg auf das 12. Jahrhundert. Außerdem sieht er Hinweise dafür, dass sich der Siedlungsschwerpunkt vom Untergreifenstein gegen Ende des 13. Jahrhunderts zum Obergreifenstein verlagert haben könnte.
Lageplan der Burg Untergreifenstein

Sagen

Um die ehemaligen Bewohner der Burg Greifenstein rankt sich eine spannende Sage. So soll auf der Burg ein Ritter gehaust haben, der der Schrecken seiner Bauern gewesen sei. Sie mussten ihm Frondienste leisten, gab es keine Arbeit, quälte er sie mit sinnlosen Tätigkeiten. Die überhöhten Abgaben trieb der Ritter gnadenlos bei seinen Bauern ein. Durchreisende raubte und plünderte er aus. Im Reichskrieg schließlich zerstörten die Reutlinger seine Burg, ohne jedoch den Ritter selbst zu finden. Daraufhin kroch er wieder aus seinem Versteck und ging zu seinen Bauern, um Essen und Trinken einzufordern. Des schrecklichen Ritters überdrüssig, überwältigten sie ihn, steckten ihn in ein mit Nägeln beschlagenes Fass und rollten den vor Schmerzen schreienden Ritter durch das Dorf und schließlich den Burgstein hinab.              
Ein Bruder des Ritters, der einige Zeit nach diesen Ereignissen zurückkehrte, erfuhr erst zu diesem Zeitpunkt von der Schreckensherrschaft seines Bruders. Er spendete daraufhin sein komplettes Vermögen, lebte als betender Einsiedler in einer Mönchszelle im Wald des deshalb so benannten „Zellertals“ und wurde von den Menschen um Rat in allen Dingen gefragt.

Literatur

  • Christoph Bizer: Oberflächenfunde von Burgen der Schwäbischen Alb. Ein Beitrag zur Keramik- und Burgenforschung, 2006, S. 115-122
  • Christoph Bizer/ Wilhelm Gradmann: Burgen und Schlösser der Schwäbischen Alb, 1994, S. 76 f.
  • Julius Caspart: Die Ortsnamen im Oberamt Reutlingen, in: Reutlinger Geschichtsblätter, 11/1891, S. 101-104
  • Martin Crusius: Paraleipomenus Rerum Sueuicarum liber, 1596, S. 49
  • Konrad Albert Koch: Der alte Lichtenstein und Greifenstein, in: Blätter des Schwäbischen Albvereins, 1925, Nr. 6
  • Sebastian Locher: Regesten zur Geschichte der Grafen von Veringen, 1872, S. 121
  • Maier: Führer von Reutlingen bis Lichtenstein. Pfullingen, Eningen, Unterhausen, Oberhausen, Honau, 1913, S. 50 f.
  • Reicherter: Greifenstein, in: Blätter des Schwäbischen Albvereins 1894, Nr. 6
  • Karl Rommel, Reutlinger Heimatbuch. Bilder, Sagen und Geschichten, 1948, S. 174-179
  • Günter Schmitt: Burgenführer Schwäbische Alb, Bd. 4. Alb Mitte-Nord, Biberach 1991, S. 301-310
  • Theodor Schön, Greiffenstein, in: Reutlinger Geschichtsblätter, 5/1890, S. 74-76
  • Theodor Schön, Der Greifenstein, in: Blätter des Schwäbischen Albvereins 1895, Nr. 7
  • Oberamtsbeschreibung Reutlingen, 1824
  • Oberamtsbeschreibung Reutlingen, 1839
  • Der Landkreis Reutlingen, Bd. 1, 1997, S. 926 f.

(Autor: Matthias Bauer)